Rüpelradler

Eine beliebte Entgegnung auf Forderungen, dem Radverkehr größeres Gewicht zu geben, ist der Hinweis auf die Rüpelradler, gerne auch Kampfradler genannt. Das Argument geht in etwa so: Radler verdienen keine stärkere Förderung, da sie selbst sich oftmals rücksichtslos benehmen. Die darauf folgende Diskussion ist selten ergiebig, was wenig verwunderlich ist, da hier zwei Themen miteinander verwoben werden, die wenig miteinander zu tun haben.

Da ist zum einen die Tatsache, dass manche Radler sich rücksichtslos verhalten. Nur ist das durchaus keine überraschende Tatsache. Warum sollte ein Rüpel sich auf dem Rad anders verhalten, als er sich sonst benimmt? In der Natur des Rüpels liegt es, dass er in erster Linie an sein eigenes Fortkommen denkt. Andere werden – wenn sie denn überhaupt wahrgenommen werden – als Hindernis betrachtet, das doch bitte schleunigst den Weg frei machen soll. Im Recht bin immer ich, egal was die Regeln sagen. Dieses Verhalten kann ich mit dem Rad genauso verwirklichen, wie mit dem Auto. Ja, selbst als Fußgänger ist es mit etwas Mühe zu schaffen – wobei hier natürlich eine entsprechende Statur von Vorteil ist. Stellt man Rüpel zur Rede, dann bekommt man im besten Fall ein Schulterzucken. Nicht selten sind es aber auch wüste Beschimpfungen, die man sich anhören muss. Rüpel sind unangenehme Zeitgenossen. Das ist keine Frage des Fortbewegungsmittels.

Die zweite Tatsache ist, dass die Fortbewegung mit dem Rad weniger der Umwelt und den Mitmenschen schadet als die Fahrt mit dem Auto. Es gibt eigentlich niemanden, der ernsthaft eine Zunahme des Autoverkehrs wünscht. Bei der Entscheidung zwischen Rad und Auto ist mit Blick auf die Kommune das Rad eindeutig die bessere Wahl. Forderungen nach mehr Platz für das Rad richten sich in der Regel daher hauptsächlich auf die Schaffung von Bedingungen, die es mehr und mehr Menschen erlauben, die bessere Wahl zu treffen.

Um noch einmal auf die Rüpel zurückzukommen: Der Schaden, den ein Rüpel im Auto anrichten kann, übersteigt den eines Rüpels auf dem Rad um ein Vielfaches. Somit könnte man bei der Begegnung mit einem Rüpelradler zusätzlich zu seinem Ärger über das rücksichtslose Verhalten auch erleichtert aufatmen, dass dieser Rüpel „nur“ ein Rad als Waffe dabei hat und nicht ein bis zwei Tonnen Stahl.

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